Epi: Die Katastrophen der Weltgeschichte – wie die im Leben einer Person – beruhen auf der Dynamik des Seelischen … vor allem, auf einer Dynamik infolge der Ignoranz des Seelischen.

C.G. Jung: Symbole der Wandlung S.104, Walter Band 5 … Je erfolgreicher das Ein- und vordringen des neuen wissenschaftlichen Geistes sich gestaltete, desto mehr wurde letzterer – wie es dem Sieger immer zu gehen pflegt – der Gefangene jener Welt, die er sich erobert hatte.

Im Anfang dieses Jahrhunderts noch konnte ein christlicher Autor den modernen Geist sozusagen als eine zweite Inkarnation des Logos auffassen. „Das tiefere Erfassen der Naturbeseelung in der modernen Malerei und Dichtung“, sagt Kalthoff, „die lebendige Intuition, deren auch die Wissenschaft bei ihren strengsten Arbeiten nicht länger entraten will, läßt leicht erkennen, wie der Logos der griechischen Philosophie, der dem alten Christustypus seine Weltenstellung anwies, seines Jenseitscharakters entkleidet, eine neue Fleischwerdung feiert.“*

Es ging ja nicht lange, bis man erkennen mußte, dass es sich weniger um eine Fleischwerdung des Logos, als vielmehr um den Absturz des Antropos respektive Nous in die Physis handelt. Die Welt war nicht nur entgöttert, sondern auch entseelt.

Durch die Verlagerung des Interessenschwerpunktes aus der Innenwelt in die Außenwelt hat die Naturerkenntnis im Vergleich zu früher unendlich zugenommen, aber Erkenntnis und Erfahrung der Innenwelt haben sich entsprechend vermindert.

Das religiöse Interesse, welches normalerweise das stärkste und deshalb das entscheidende sein sollte, hat sich von der Innenwelt abgewendet und die Gestalten des Dogmas bilden in unserer Welt fremde und unverständliche Überbleibsel, jeglicher Art von Kritik ausgeliefert.

Selbst die moderne Psychologie hat größte Mühe, der menschlichen Seele ein Existenzrecht zu vindizieren und es glaubhaft zu machen, daß die Seele eine Seinsform mit erforschbaren Eigenschaften ist und daher Gegenstand einer Erfahrungswissenschaft sein kann; daß sie nicht nur an einem Äußeren hängt, sondern auch ein autonomes Innen besitzt, und dass sie nicht nur ein Ichbewußtsein, sondern eine im wesentlichen nur indirekt erschließbare Existenz darstellt.

Einer solchen Einstellung erscheint der Mythus, das ist das kirchliche Dogma, als eine Sammlung absurder, weil unmöglicher Aussagen. Der moderne Rationalismus ist aufklärerisch und tut sich auf seine ikonoklastischen Tendenzen sogar moralisch etwas zugute. Man begnügt sich im allgemeinen mit der wenig intelligenten Auffassung, daß die Aussage des Dogmas eine konkrete Unmöglichkeit beabsichtige. Daß sie aber symbolischer Ausdruck eines bestimmten Indeengehaltes sein könnte, das kommt kaum jemandem bei. Man wüsste ja nicht so ohne weiteres anzugeben, worin diese Idee bestünde. Und was „Ich“ nicht weiß, dass existiert einfach nicht. Darum gibt es für diese aufgeklärte Dummheit auch kein nichtbewußtes Psychisches. ….

* Kalkhoff: Die Entstehung des Christentums, p.154

Sardinen. Hin und wieder öffne ich eine dieser kleinen und gewichtigen Dosen. Seit ein paar Jahren schon wundert es mich, wie es die verarbeitende Industrie schafft, diese Fischchen so ganz und gar säuberlich ihres Schuppenkleids zu entledigen. Meine Vermutung dazu war, dass da vielleicht mit einem Enzymbad gearbeitet würde. Es gibt ja sehr viele Enzymen, die in der Lebensmittelindustrie für alles Mögliche eingesetzt werden. Nun kam mir dabei an diesem Tag auch einmal wieder Yahoo! Clever in den Sinn. Warum schwimmen die Sardinen nun nackt in der Dose? So stellte ich dort meine Frage in das Forum. Ja, ich neige nun einmal dazu, in meiner Wortwahl nicht allzu langweilig zu klingen. Wenn du schon einmal hier bist, so dachte es mich da, dann kannst du gleich auch noch ein bisschen die Welt Infrage stellen. Warum betreiben die mächtigen Staaten der Welt immer nur ihre Interessenpolitik und nicht eine brüderliche Politik der Problemlösungen innerhalb einer Weltgemeinschaft, eine Politik in der alle Teilnehmer die Gewinner sind? Innerhalb weniger Stunden gingen ein Duzend Antwortmeldungen in meinem Postfach ein. So schrieb die inspirierte Gini: Ihre Haut ziehen sie sich alleine aus, weil es in dem Gedränge einfach zu warm wird, außerdem lieben Sardinen den Körperkontakt. Technotanzen2000 schrieb sinnig belebt: Die Sardinenbüchse ist der moderne Schwingerklub für Fische, deshalb der enge Körperkontakt und die nackten Fischchen. Hier nun fand ich mich ein wenig überrascht, ich hatte tatsächlich nicht damit gerechnet, dass mir auf meine Frage mit solch luftigem Humor begegnet würde. Auf diese Ebene katapultiert, empfand ich auf einmal die Diskrepanz zwischen der Frage nach den kleinen nackten Fischchen und dem Infragestellen der Weltpolitik. Wie kannst du nur beides quasi in einem Atemzug denken? Fragte es mich. Eine Dose nackter Sardinen und das Heil der Welt. Da lautete die Antwort von Elbnixe45: Weil man sie lässt. Und Laurin schrieb: Weil sie letztlich von Menschen geführt werden und was uns im Kleinen schon schwer fällt, wird im Großen fast unmöglich. Auch zur ersten Frage hatte er mir eine Antwort, sie lautete: Die rechnen nicht damit das du ihnen Plötzlich das Dach über dem Kopf abziehst und sie dann alle nackt vor dir liegen … würdest du vorher anklopfen, würden sie sich selbstverständlich etwas anziehen. Ich war baff. Wunderbar, dachte ich, da ist nun so ein neuer kleiner Witz geboren, es freute mich. Und Malerba schließlich klärte mich auf: Die Haut wird entweder mittels Handarbeit (bei Eigenproduktion) oder maschinell abgezogen. Was also hat der kleine Fisch mit der Weltpolitik tun? Dachte es mich da wieder. Liegt es vielleicht in einem noch tieferen Geheimnis des Fischsymbols der alten und noch wahren Christen? Und ja, siehst du, so hast du ein Wenig das Wissen, den Humor, das Christsein, das Heil der Welt und den Absatz der Sardinendosen befördert.

Geist und Materie

Oktober 24, 2006

Zitat Kuder: Sich ins Materielle zu verlieben, oder es als absolute Wahrheit zu definieren, bedeutet also in letzter Konsequenz, dem Irrtum, oder „Satan“ zu verfallen.

Ja Kuder, das klingt mir nachvollziehbar. Wobei ich einen gleichartigen Gedanken schon hinsichtlich der wissenschaftlich-technischen Zivilisation hege. Hier hat sich mir die Menschheit in die materielle Schöpfung verliebt oder vielleicht auch in sie hinein verkrochen … aus Angst vor dem Erkennen ihrer viel mächtigeren wahren geistigen Natur.

Universell betrachtet ist diese Zielrichtung unserer Zivilisation oder Memesis, vielleicht auch als ein gewaltiger kollektiver karmischer Verdrängungsprozess zu erkennen.

Bedenke nur, mit welcher Vehemenz und Zwanghaftigkeit im Materiellen geforscht, produziert, konsumiert und bereichert wird; welche Panik in der Gesellschaft aufkommt, angesichts der Situation, nun nicht mehr genug Produktionsplätze für die Menschen zur Verfügung zu haben.

Natürlich ist den Regierenden klar, dass eine hohe Arbeitslosigkeit auch dazu führt, dass die Menschen anfangen zu denken, d.h. dass sie anfangen sich ihrer wahreren Natur bewußt zu werden und als geistige Wesen erwachen; als solche stellen sie nun fest, das ihr Leben nichts als ein lumpiger materieller Scherbenhaufen ist.

Das ist neben der atomaren Bedrohung vielleicht die größte Gefahr und Krise unserer Zivilisation überhaupt, dass die Menschen plötzlich zur Besinnung kommen könnten. Bei so Vielen gibt es ausser dem Produktivsein für den Lebensunterhalt und den Konsum, keinen tragfähigen Sinn im Leben … keine geistige Orientierung die sie vor dem Absturz bewahrt.

Natürlich schreit eine geistig so unbefestigte Gesellschaft nach ihren Verführern.

Ich rekapituliere … unser säkular aufgestellter Staat sieht seinen Lebenssinn und seine Existenzfähigkeit in der Hauptsache in der immerzu wachsenden industriellen Produktions- und Konsumgesellschaft.

Die geistige und religiöse Orientierung verfällt rapide. Der Mensch wird von den Medien in einer Wolke rationalistischer, intellektueller Konditionierung gehalten und darin je nach den Bedürfnissen der Machthabenden neutralisiert oder zielgerichtet manipuliert; gleichzeitig formt sich die Industrie den Menschen mit ihrer Werbepropaganda zum immer hippen Lifestylekonsumenten.

Diese Situation ist schon bedrohlich, wenn wir uns die Dynamiken vorstellen, die aufbrechen, wenn dieser gewaltige kollektive karmische Verdrängungszug ausgebremst wird oder gar zum Stehen kommt.

Die, die darin die Vorreiter waren, die die sich darauf am meisten eingelassen haben, wird es wohl auch am härtesten treffen.

Das Arbeiten, das Produktivsein ist nicht mehr möglich; das Konsumieren ist nicht mehr möglich; das alimentierte Leben auf niedrigstem Niveau ist vielleicht noch möglich.

Eine Zukunftsvision angesichts der anstehenden katastrophalen Problem zu skizzieren wäre wohl angebracht; ich versuche es hier einmal in aller Naivität.

Zurück zum einfachen Leben; die Besinnung auf die geistigen Werte des Lebens; die völlige Umstrukturierung des Wertesystems Deutschland und Europa hin zu einer nachhaltig wirtschaftenden humanistischen Kulturstaatengemeinschaft der Grundversorgung … um noch ein wenig mit den Wortködern zu angel … das postmaterialistische Leben im Zeitalter des Wassermann; ein großer Schritt hin zum Reich Gottes.

Die drohende Alternative sieht mir so aus. Die Menschheit hat sich in einem gewaltigen, über Jahrhunderte währenden Verdrängungsprozeß ganz tief in das Materielle verbissen. Aus unseren gescheiterten zwanghaften Liebesverhältnissen kennen wir das. Da sprengt sich solches ineinander Verbissensein immer in einer schmerzhaften Explosion der Gefühle.

Wir wissen, welche Energien darauf warten, unser zwanghaftes Liebesverhältnis zur Materie zu beenden.